Juni 2025, eine Druckerei im Raum Villingen. Ein Bedienfehler beschädigte die Heizpatrone an einer COM J 240, die Maschine stand. Der Betrieb fuhr einschichtig und hatte kein zweites Gerät. Die Reparatur sollte vier Tage dauern. Trotzdem lief die Produktion am selben Nachmittag weiter. Ausschlaggebend war weder Glück noch ein besonderer Wartungsvertrag, sondern die Entfernung zwischen dem Ersatzgerät und der Halle.
Das Wichtigste in Kürze
- Vier Tage gegen wenige Stunden: Die Reparatur der beschädigten Heizpatrone dauerte vier Tage. Der Anruf kam vor 10 Uhr, am Nachmittag desselben Tages stand ein Ersatzgerät abholbereit.
- 200 Euro Miete: Mehr kostete die Überbrückung nicht, dazu kam die Reparatur der eigenen Maschine. Was ein stehender Schichttag kostet, rechnet jeder Betrieb für sich selbst aus.
- Nähe ist die Bedingung: Ein Vorführgerät aus dem eigenen Lager oder eine Backup-Maschine bei einem Kunden in der Region lässt sich am selben Tag organisieren. Ein Transport quer durch Deutschland nicht.
Der Fall: Anruf vor 10 Uhr, Ersatzgerät am Nachmittag
Gemeldet wurde der Ausfall an einem Vormittag im Juni 2025, vor 10 Uhr. Ursache war ein Bedienfehler, durch den die Heizpatrone Schaden nahm. aftech hatte zu diesem Zeitpunkt ein Vorführgerät im eigenen Lager stehen. Es wurde für den Kunden bereitgestellt und war am Nachmittag desselben Tages abholbereit. Die beschädigte Maschine ging in die Reparatur und war nach vier Tagen wieder einsatzfähig. Berechnet wurden 200 Euro Miete, dazu die Reparatur der eigenen Maschine. Fälle dieser Art kommen ein- bis zweimal im Jahr vor.
Was einen Stillstand teuer macht, ist selten die Reparatur
Die Rechnung für eine Heizpatrone ist überschaubar. Teuer wird die Zeit drumherum. Ein Einschichtbetrieb kann einen Ausfalltag nicht über die Nachtschicht auffangen. Verschobene Liefertermine wandern in die Folgewoche, und Aufträge mit festem Versanddatum geraten unter Druck. Für Lohnverpacker kommt hinzu, dass der Auftraggeber den Termin gesetzt hat und jede Verzögerung dort sofort sichtbar wird. In Druckereien hängt häufig eine ganze Weiterverarbeitungskette an der Bündelung, vom Zusammentragen bis zum Versand. Die Frage nach der Überbrückung ist deshalb keine Servicefrage, sondern eine Frage der Termintreue.
Wie die Überbrückung technisch funktioniert
Zwei Quellen stehen dafür zur Verfügung. Die erste ist das Vorführgerät, das aftech für Demonstrationen im eigenen Lager vorhält. Die zweite sind Backup-Maschinen, die bei Kunden in der Region stehen und im Bedarfsfall kurzfristig verfügbar gemacht werden können. Beides funktioniert nur über kurze Wege. Das Gebiet für Wartung und Materialversorgung ist bei aftech auf rund 100 Kilometer um Zimmern ob Rottweil ausgelegt. Der Hersteller Köra-Packmat sitzt rund sechs Kilometer entfernt in Villingendorf. Eine Maschine in diesem Radius lässt sich an einem Vormittag klären und am Nachmittag übergeben. Eine Maschine, die erst verpackt, von einer Spedition abgeholt und quer durch Deutschland gefahren werden muss, ist in derselben Zeit nicht vor Ort.
aftech ist seit 2003 am Markt und betreut Banderoliermaschinen markenübergreifend. Die Kundenbeziehungen laufen typischerweise über die gesamte Maschinenlebensdauer von rund zehn Jahren, die längste bestehende liegt bei zwanzig Jahren. Aus dieser Betreuungsdauer ergibt sich die Kenntnis darüber, welche Maschinen in der Region stehen.
Wann die Überbrückung nicht greift
Eine Zusage für ein Ersatzgerät gibt es nicht, denn die Zahl der Geräte ist begrenzt. In der Praxis gelingt die Überbrückung in etwa vier von fünf Fällen. Steht das Vorführgerät gerade bei einem Interessenten oder ist keine passende Maschine in der Nähe frei, bleibt die Reparatur der einzige Weg. Hinzu kommt die technische Passung: Ein Ersatzgerät muss Format, Bandbreite und Material des laufenden Auftrags abdecken, sonst hilft es nicht weiter. Außerhalb des Servicegebiets von rund 100 Kilometern verschiebt sich die Rechnung ohnehin, weil die Fahrzeit den Zeitvorteil aufzehrt. Wer auf eine Überbrückung angewiesen ist, klärt diese Frage besser vor dem Kauf als am Tag des Ausfalls.
Vorbereitung statt Zweitmaschine
Wer die Villinger Erfahrung auf den eigenen Betrieb überträgt, landet schnell bei der Frage nach einer zweiten Maschine. Für einen Einschichtbetrieb mit stabilem Auftragsvolumen rechnet sich eine solche Reserve selten. Eine Neumaschine gibt es ab 5.000 Euro, eine gebrauchte oder gemietete Lösung liegt in der Größenordnung ab etwa 1.000 Euro. Beides bindet Kapital für einen Fall, der ein- bis zweimal im Jahr eintritt.
Wirksamer ist in den meisten Betrieben die Vorbereitung. Klären Sie vor dem Kauf, ob Ihr Lieferant überhaupt Überbrückungsgeräte vorhält und in welchem Umkreis diese stehen. Bringen Sie Fabrikat, Typ und Baujahr gut lesbar an der Maschine an, damit beim Anruf niemand erst im Ordner sucht. Halten Sie eine Kleinrolle des passenden Banderolierbands in Reserve, damit ein Ersatzgerät nicht am Material scheitert. Für Betriebe in der Lebensmittelproduktion mit mehreren parallelen Linien kann eine dauerhaft vorgehaltene Reservemaschine dagegen die richtige Entscheidung sein, weil dort ein Stillstand die gesamte Abpacklinie blockiert.
Typische Fehler
- Den Ausfall erst am Nachmittag melden, obwohl die Entscheidung über ein Ersatzgerät und der Weg dorthin Vormittagsstunden brauchen.
- Beim Anruf weder Fabrikat noch Typenschild zur Hand haben, wodurch die Klärung der Passung unnötig eine Stunde verliert.
- Die Überbrückung fest einplanen, obwohl die Zahl der Vorführ- und Backup-Geräte begrenzt ist und es keine Zusage dafür gibt.
- Nach einem Bedienfehler auf die Nachschulung verzichten, obwohl Beratung und Schulung zum Serviceumfang gehören und den nächsten Schaden verhindern.
- Ein Ersatzgerät organisieren und das passende Banderolierband vergessen, sodass die Maschine ohne Material in der Halle steht.
- Beim Angebotsvergleich nur den Reparaturpreis betrachten und den stehenden Schichttag aus der Rechnung herauslassen.
Zum Thema
- Service, Wartung und was bei Stillstand passiert
- Maschine steht: die ersten Schritte
- Mieten, gebraucht kaufen oder neu: was sich wann rechnet
Grundlagen
Fazit
Der Villinger Fall belegt nicht, dass jeder Stillstand glimpflich ausgeht. Er zeigt, woran es hängt: an einem erreichbaren Ersatzgerät und an einer frühen Meldung. Vier Tage Reparatur kosteten den Betrieb wenige Stunden Produktion und 200 Euro Miete, weil beides zusammenkam. Wer über eine Banderoliermaschine entscheidet, sollte deshalb nicht nur Taktleistung und Formatgrenzen vergleichen, sondern auch fragen, wie weit das nächste Überbrückungsgerät entfernt steht und wie oft es tatsächlich verfügbar ist.
Weitere Praxisberichte aus der Verpackungstechnik finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen und weiterführende Informationen
Zur technischen Einordnung des Falls und der beteiligten Fabrikate sind zwei Quellen hilfreich, dazu die Maschinenübersicht der Hauptseite.
- KÖRA-PACKMAT Maschinenbau GmbH: Hersteller und Werksvertretung von aftech, rund sechs Kilometer vom Firmensitz entfernt
- Banderole (Wikipedia): Begriffsdefinition und Einordnung der Banderole als Verpackungsmittel
- Banderoliermaschinen bei aftech: Übersicht der Maschinen, die aftech vertreibt und betreut
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